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Mary Stone - Autumns Hauptgewinn (Autumn-Trent-Serie 8)

A Taste of… Autumns Hauptgewinn

Erstes Kapitel

Lorna Mercer drückte eine widerspenstige dunkelbraune Haarsträhne in ihren Pferdeschwanz und klappte das Notebook zu. Die links von ihr gestapelten Bücher und Hefte starrten sie mit stummer Missbilligung an.

„Tut mir leid.“ Als sie sich vom weißen Schreibtisch abdrückte, quietschte eine der Stuhlrollen protestierend. „Zehn Stunden Lernen mit nur einer Pause für Moms Huhn-Fettuccini, das sollte wohl reichen.“

Jetzt redest du schon mit deinen Schulsachen. So kündigt sich ein Nervenzusammenbruch an.

Anders als in den kitschigen Serien von The CW hatte niemand Lorna je ins Gewissen reden müssen, dass Bildung wichtig sei. Seit dem Kindergarten hatte die Schule einen großen Stellenwert für sie, und während ihre Freunde Kickball, Völkerball oder sonst was spielten, machte sie Hausaufgaben.

Diese Einstellung hatte sie sich bewahrt. Nächsten Monat begann die letzte Klasse der Highschool, und sie bezweifelte, dass ihre Begeisterung fürs Lernen nachlassen würde, wenn sie auf der Bühne das Abschlusszeugnis überreicht bekam.

Aber auch für sie war irgendwann Schluss.

Am Rand ihres Gesichtsfelds nahm sie ein Licht wahr. Sie sprang auf, eilte zum Fenster und schaute in den Garten. Die Dunkelheit erwiderte ihren Blick.

Nach einer Weile entspannten sich ihre Schultern. Vielleicht hatte sie zu lange gelernt, und die Augen spielten ihr Streiche. Ein weiterer Grund, eine Pause einzulegen.

Als sie sich abwenden wollte, flammte das Licht erneut auf. Einmal. Zweimal. Dreimal. Das war keine Einbildung.

Sie bekam Herzklopfen und schüttelte lächelnd den Kopf. Bestimmt steuerte ihr Freund diese improvisierte Lightshow. Vermutlich versteckte er sich hinter einem der großen Bäume und schwenkte die Taschenlampe im albernen Versuch, sie von den Büchern wegzulocken.

„Heute ist wohl dein Glückstag, Kev.“ Lorna steckte das Handy ein und schulterte die Handtasche. Sie legte das Ohr an die Tür und hielt die Luft an.

Draußen kein Mucks. Auf die Plätze, fertig, los!

Leise trat sie auf den Flur im ersten Stock, zog hinter sich die Tür zu und zuckte zusammen, als das Schloss klickte.

Der laufende Fernseher beleuchtete die Dielendecke. Auf Zehenspitzen schlich Lorna die Treppe hinunter und vergewisserte sich nach jedem Schritt, dass ihre Eltern sie nicht gehört hatten. Zwar verdeckte ihnen die Wand die Sicht, doch eine knarrende Stufe wäre bestimmt bemerkt worden.

Am Fuß der Treppe seufzte sie erleichtert. So weit, so gut. Auf dem Weg zur Küche ließ das betrunkene Gelächter ihres Vaters sie innehalten.

Sieben Uhr. Um diese Zeit liefen Wiederholungen von Saturday Night Live, und er war vermutlich inzwischen beim fünften oder sechsten Bier angekommen.

Lorna hätte gewettet, dass ihre Mom neben ihm auf dem Sofa saß, Wäsche faltete und ihm regelmäßig Chips nachfüllte. Bloß um ihren Vater zu besänftigen.

Bei dem Gedanken an die beiden verspürte sie Abscheu. Beide hatten, jeder auf seine Art, vor langer Zeit ihr eigenes Leben aufgegeben. Anstatt sich selbst zu verwirklichen und zu versuchen, ihre Situation oder ihre Ehe zu verbessern, wiederholten ihre Eltern immer wieder das gleiche traurige Ritual.

Lorna ließ sich davon jedoch nicht entmutigen. Die inhaltsleere Ehe ihrer Eltern motivierte sie stattdessen, sich aus diesem bedrückenden Schauspiel zu befreien. Sie wollte nicht so enden wie die beiden.

Sie bog um die letzte Ecke und eilte durch die Küche. Behutsam öffnete sie die Haustür und hatte auf dem Rasen endlich freie Bahn. Die fernen Bäume im verblassenden Abendlicht markierten die Grundstücksgrenze.

Seit dem ersten Highschooljahr erwartete sie dort regelmäßig Kevin. Wenn sie höchstens eine halbe Stunde fortblieb, würden ihre Eltern ihre Abwesenheit nicht bemerken. Zumindest war es bisher immer so gewesen.

„Schatz“, sagte Kevin mit breitem Lächeln, als sie die hohen Pinien erreicht hatte, „das ging ja wahnsinnig schnell. Willst du nicht doch eine andere Laufbahn einschlagen? Ich denke da an olympisches Gold.“

Lorna kicherte über seinen halb ernst gemeinten Scherz und klopfte ihm spielerisch auf den Arm. „Genau. Das werd ich machen.“ Sie fasste ihn bei der Hand und ließ sich von ihm im Schein der Taschenlampe weiter in den dunklen Wald geleiten.

„Du kannst mir auch simsen.“

Er stupste ihre Schulter an. „Morsezeichen sind romantischer.“

Sie grinste. Da hatte er wohl recht.

An der üblichen Stelle angelangt, verteilte Kevin die Piniennadeln gleichmäßig auf dem Boden und breitete eine weiche Decke darüber. Ein Teil der Anspannung, die Lorna zu schaffen machte, baute sich ab. Mit seinen siebzehn Jahren hatte er mehr von einem Gentleman, als ihr Vater je einer gewesen war.

Ihr wurde ganz friedlich zumute, als sie sich neben ihm niederließ. War es nicht traurig, dass sie sich im Wald heimischer fühlte als bei sich zuhause? „Ich hab keinen sportlichen Ehrgeiz.“

Kevin zog sie an sich und küsste sie auf die Nasenspitze. Sein struppiges blondes Haar kitzelte sie an der Stirn. „Das stimmt. Du bist eine Intelligenzbestie. Warst du schon immer, und das wird auch so bleiben. Aber selbst dein Superhirn braucht hin und wieder eine Pause.“ Er präsentierte mit weit ausholender Geste einen Joint und neigte den Kopf. „Mylady. Der erste Zug ist für dich.“

Mit vierzehn hatten seine Blödeleien sie bezaubert. Kevin brachte sie – und auch sonst fast jeden – zum Lachen. War dabei intelligent und ehrgeizig wie sie. Außerdem konnte er wunderbar küssen. Nicht dass sie viele Vergleichsmöglichkeiten gehabt hätte. Sie waren seit dem ersten Highschooljahr ein Paar.

Lorna nahm seine Liebesgabe und das Feuerzeug entgegen. „Es ist mir eine Ehre, mein Herr.“ Sie betätigte das Reibrad des lila Bic, bis sich eine gelbrote Flamme entzündete. Sie paffte mehrmals, bis der Joint glühte, dann inhalierte sie tief den erdigen Rauch, der im Schlund brannte wie heißer Sand.

Kevin reckte den Zeigefinger. „Nicht ausatmen. Nicht ausatmen. Niiicht ausatmen.“

Lorna hielt vier Sekunden durch, dann rebellierte ihr Körper. Ihre Augen tränten, ihre Lunge stand in Flammen. Sie stieß den Rauch aus und begann zu husten. Während sie nach Luft schnappte, nahm Kevin einen Zug. Sie wühlte in der Tasche nach ihrem Inhalator.

„Hast dir ordentlich was eingepfiffen.“ Er klopfte ihr auf den Rücken. „Geht’s wieder?“

Lorna fiel ein, dass der Inhalator auf dem Schreibtisch lag. Sie winkte ab, vom Husten geschüttelt. Ihr Freund meinte es gut, doch er machte zu viel Aufhebens um ihr Asthma. Darunter litt sie seit der Kindheit. Eigentlich war es nur lästig.

„Schatz?“ Kevin musterte sie besorgt. „Wenn du den Inhalator nicht dabeihast, solltest du vielleicht besser wieder reingehen. Ich möchte nicht, dass du erstickst, Herrgott.“

Lornas Atem beruhigte sich, und sie hatte wieder Kontrolle über ihre Stimmbänder. „Alles gut. Ehrlich.“ Sie verschränkte die Finger mit den seinen. „Ich geh gleich, aber jetzt noch nicht.“ Sie neigte sich zu ihm und küsste ihn. Sie brauchte das. Brauchte ihn. Und sei es nur für einen kurzen Moment.

Als sie Kevins warme Lippen spürte, schloss Lorna die Augen und versuchte, die Schule, das kommende Abschlussjahr und den wachsenden Druck, dem sie ausgesetzt war, zu vergessen.

Sie versuchte es, doch es gelang ihr nicht.

Mit einem schweren Seufzer löste sie sich von ihm. „Oh je. Ich krieg den ganzen Schulscheiß einfach nicht aus dem Kopf.“ Jetzt, da sie es rausgelassen hatte, konnte sie auch reinen Tisch machen. „Außerdem nerven mich meine Eltern. Sie treiben mich mit dem Stipendium noch zum Wahnsinn.“

Kevin ließ sich stöhnend auf die Decke zurückfallen. „Meine auch. Allmählich frag ich mich, ob wir das College nicht besser sausen lassen und mit dem Rucksack durch Europa touren sollten.“

Lorna klaute ihm den Joint und nahm einen schwächeren Zug. Sie stützte sich auf die Ellbogen und stieß den Rauch aus. „Reisen kostet Geld, und wir haben keins.“

„Das stimmt. Aber wir brauchen unsere Eltern bloß dazu zu bringen, die Rücklagen fürs College lockerzumachen.“ Er wusste ebenso gut wie sie, dass das aussichtlos war. Sie lachten beide.

„Sean und Abby würden niemals einwilligen.“ Lorna dachte an ihren Vater, der sich auf dem Sofa fläzte und inzwischen bestimmt schon beim siebten Bier angelangt war. Ihr Gelächter erstarb.

In letzter Zeit nannte sie ihre Eltern nur noch beim Vornamen. ‚Dad‘ und ‚Mom‘ waren passé. Das drückte Zuneigung aus, und sie hegte andere Gefühle für die beiden.

Sie hatten nicht gewollt, dass sie auf der Highschool einen Teilzeitjob annahm, und damit geprahlt, ihre Tochter könne sich ganz aufs Lernen konzentrieren. Damals hatte Lorna sich in ihrer seligen Unwissenheit glücklich geschätzt. Nicht alle Eltern verfügten über das nötige Geld oder hatten den Wunsch, für die materiellen Bedürfnisse ihrer Kinder aufzukommen.

Sie zog eine Schnute. Sean und Abby hatten Wort gehalten. Sie hatte sich keine Sorgen machen müssen, wie sie ihren Sprit oder die Kinokarten bezahlen sollte. Erst jetzt verstand sie, weshalb sie nicht gewollt hatten, dass sie ihr eigenes Geld verdiente: Kontrolle.

Ihre Eltern hatten alles. Sie hatte nichts. Das bedeutete, sie besaßen die ganze Macht, obwohl sie schon achtzehn war. Ohne es zu merken, war sie abhängig geworden von ihren Almosen.

Mit der Fußspitze grub sie ein Loch in die Piniennadeln und seufzte, dann straffte sie entschlossen die Schultern. Denk an deinen Plan.

Nach zu vielen sorgenvollen Tagen und Nächten hatte Lorna sich endlich mit der Realität abgefunden und einen Plan gefasst. Solange ihre Eltern sie in Abhängigkeit hielten, würde sie ihren Vorteil daraus ziehen. Sie würde an einem Elitecollege studieren, einen Job mit Topbezahlung finden und Karriere machen. Und wenn das Geld erst mal in Strömen floss, würde sie die Verbindung zu ihnen so schnell kappen, dass ihnen schwindlig wurde.

Wenn sie genug Geld hätte, würde sie um die Welt reisen. Und die beiden Personen, die sie auf keinen Fall einladen würde, sie zu begleiten, waren ihre Eltern.

Vielleicht würden Sean und Abby dann begreifen, wie daneben es gewesen war, ihre Tochter zu manipulieren.

Kevin berührte sie an der Wange. „Wie läuft’s mit deinem Dad?“

„Unverändert.“ Lorna hatte keinen Grund, etwas zu beschönigen. Ihr Vater war ein Arschloch, Punkt. „Entweder er ist betrunken oder wütend oder beides. Behandelt Mom wie ein Stück Dreck. Und sie lässt alles geduldig über sich ergehen.“

„Hey.“ Kevin schloss sie in die Arme. „Wahrscheinlich tut sie das, weil sie glaubt, es sei das Beste für dich. Sie möchte dir ein heiles Zuhause bieten und so.“

Lorna schmiegte den Kopf an seine Schulter. „Das ist doch alles Blödsinn. Ich bin bereit, mein eigenes Leben zu beginnen. Ein Leben, das keine große Zirkusshow ist.“

Kevin hielt sie fest. „Das wirst du. Du hast es fast geschafft, Lorna. Wir beide. Wir werden aus Dearborn verschwinden, ohne uns auch nur einmal umzusehen.“

Er klang so überzeugend, dass ihr ganz warm in der Brust wurde. Um nicht in Tränen auszubrechen, küsste sie ihn. Sie gab sich den angenehmen Empfindungen hin und vergaß einen Moment lang die Welt jenseits ihres kleinen Waldverstecks.

Knack. Knack.

Sie löste sich so abrupt von Kevin, dass ihm ihr Pferdeschwanz ins Gesicht flog. „Hast du das gehört?“

„Nein. Was meinst du?“

„Schritte, als würde sich jemand nähern.“ Lorna war sicher, dass sie sich das Knacken nicht eingebildet hatte.

Ihr Herz raste, während sie schwiegen. Nur die normalen Waldgeräusche waren zu hören. Schließlich lachte Kevin. „Schatz, ich glaube, du bist high.“

Sie rümpfte die Nase. „Ich glaube, du bist high.“

„Wohl wir beide. Lass gut sein.“ Er neigte ihr das Gesicht entgegen. „Du musst bald wieder rein.“

Obwohl sie ihm recht geben musste, vermochte sie ihre Beklommenheit nicht abzuschütteln. „Was ist, wenn uns jemand nachspioniert?“ Sie rutschte näher an ihn heran und schaute sich um. Doch da waren nur Schatten und die Dunkelheit des Waldes.

Kevin legte ihr die Hände um die Hüfte. „Also, wenn uns wirklich jemand nachspioniert, würde ich sagen, dass wir ihm ein klasse Programm geboten haben. Legen wir noch etwas nach?“ Kichernd beugte er sich vor, um sie erneut zu küssen.

Lorna erwiderte den Kuss, lauschte aber weiter.

Knack. Knack.

Diesmal schreckte auch Kevin zusammen. „Okay. Ich hab’s gehört. Was ist das?“

Zu verängstigt, um zu sprechen, klammerte Lorna sich an sein T-Shirt.

„Hm.“ Er richtete sich auf und zog sie hoch. „Vielleicht sollten wir besser zurückgehen.“

Lorna nickte heftig, mit trockenem Mund. Sie wollte von hier weg. Sofort.

Während sie sich im Halbdunkel einen Weg durch den Wald bahnten, ging Lorna im Kopf die verschiedenen Möglichkeiten durch. Sie wollte Kevin nicht allein hier draußen lassen, doch wenn sie versuchte, ihn ins Haus zu schmuggeln, könnte das schlimm enden.

Vielleicht behaupte ich, er wolle sich ein Buch oder Notizen ausleihen oder mit mir lernen …

Sie sah den Mann, kurz bevor er aus dem Schatten hervorkam und Kevin mit einem kleinen schwarzen Gegenstand auf die Schläfe schlug. Der Schrei blieb ihr im Halse stecken, als der Angreifer herumfuhr und den Gegenstand auf ihren Kopf richtete.

Eine Pistole.

„Halt den Mund.“ Er kniete nieder und schob die Hand unter Kevins Oberkörper, während er weiterhin auf sie zielte. „Leg die Tasche weg und fass ihn bei den Füßen. Los jetzt!“

Lornas Muskeln hatten sich verkrampft, doch seine Stimme machte ihr Beine.

„Hoch damit.“ Sein Knurren wurde bösartiger. „Heb seine verdammten Füße hoch, sonst erschieße ich euch auf der Stelle.“

Ein Wimmern unterdrückend, hob Lorna Kevins Füße so weit wie möglich an und stützte sie an der Hüfte ab. Die Armmuskeln brannten ihr vor Anstrengung. Sie war nicht klein und Kevin nicht besonders groß, doch der Gewichts- und Größenunterschied war beträchtlich.

Egal. Wenn du ihn fallen lässt, bist du tot. Wir beide.

Der Fremde schob die Pistole hinter den Hosenbund und wuchtete Kevin ächzend auf seine Schulter. „Du kommst mit. Und mach bloß keine Dummheiten. Wenn du schreist, knalle ich ihn ab. Wenn du wegläufst, knalle ich ihn ab. Und gleich danach bist du dran. Verstanden? Nicken reicht.“

Lorna nickte heftig. Von ihrem Kinn tropften Tränen. Sie hoffte, dass sich der Weg hinziehen würde. Wenn der Mistkerl stolperte oder hinfiel, könnte sie flüchten.

Sie war nicht naiv. Der Fremde hatte bestimmt nicht vor, sie lebend davonkommen zu lassen. Das war kein Raubüberfall. Sondern eine Entführung.

Sollte alles nach seinem Plan verlaufen, würde es ein schlimmes Ende nehmen.

Ihre einzige Chance bestand darin, in dem Moment zu flüchten, wenn der Angreifer das Gleichgewicht verlor. Sie würde losrennen und hoffen … hoffen, dass Kevin noch lebte, wenn Hilfe eintraf.

Das ist ein Albtraum. Das kann einfach nicht wahr sein.

Lorna wurde eiskalt, als sie ganz in der Nähe eine marineblaue Limousine ausmachte. Sie stand hinter der Kurve am Ende von Lornas Straße, versteckt in dem Gebüsch, das die andere Seite des Waldes säumte.

Die Zeit lief ihr davon.

Mit schmerzenden Arm- und Rückenmuskeln stolperte sie weiter. Sie schaute sich hektisch um, sah aber niemanden. Keine Aussicht auf Rettung. Und der Mann stapfte so stur voran wie ein verdammter Esel. Kein Stolpern, kein Hinfallen. Keine Gelegenheit zur Flucht. Er ließ sie immer nur kurz aus den Augen, um sich zu vergewissern, dass der Weg vor ihnen frei war. Wenn sie weglief, würde sie keine zwei Schritte weit kommen, und sie und Kevin wären tot.

Ein Schluchzer baute sich in ihr auf, doch sie unterdrückte ihn, denn der Mann hätte ihn für einen Hilferuf halten und sie beide erschießen können. Als sie den Wagen erreichten, war der Kofferraum bereits einen Spalt breit offen. Der Mann drückte die Klappe hoch. „Ich zähle jetzt bis drei, und dann hilfst du mir, ihn da reinzuladen.“

Der Ausdruck ‚laden‘ kam Lorna brutal vor. Man lud Müllsäcke in den Wagen, keine Menschen. Sie bekam eine Gänsehaut, als ihr klar wurde, dass der Mann sie beide als Abfall betrachtete.

Sie begann zu zittern. Vielleicht sollte sie trotz allem losrennen. Kevins Füße loslassen, solange der Fremde ihr den Rücken zuwandte, und zum nächsten Haus laufen.

„Ich weiß, was du denkst, aber das wird nicht funktionieren.“ Die raue Stimme brachte sie von ihrem verzweifelten Plan ab. „Bevor ich mir dich vorknöpfe, erschieße ich ihn. Dann ist er tot, und ich jage dich und erschieße auch dich … und jeden, der dir zu helfen versucht. Willst du das verantworten? Willst du, dass das Gehirn deines Freundes auf den verdammten Boden spritzt?“

Lorna schluckte mühsam und schaute Kevins hübsches Gesicht an. Sie schüttelte den Kopf. „Bitte tun Sie ihm nichts.“ Ihre Stimme schwankte.

„Werd ich nicht … wenn du tust, was ich dir sage.“ Er wies mit dem Kinn auf den Kofferraum. „Bei drei. Eins, zwei, drei.“

Lorna schwang Kevins Füße in den Kofferraum und verurteilte ihren Freund damit zu einem Schicksal, das schlimmer sein könnte als eine Kugel im Kopf.

Aber es besteht immer noch Hoffnung. Ich darf nicht zulassen, dass er Kevin tötet, wenn auch nur die geringste Chance besteht, lebend aus der Sache rauszukommen.

Das dumpfe Geräusch, mit dem Kevin aufprallte, ließ sie zusammenzucken. Von seiner Last befreit, richtete der Entführer wieder seine Waffe auf sie. „Und jetzt fesselst du ihm die Füße.“

Lorna war starr vor Entsetzen. Sollte sie womöglich Kevins Grab schaufeln? Als sich der Mann ihr näherte, zog sie den Kopf ein.

Sein Haar wirkte unnatürlich dunkel im Vergleich zu seinem bleichen Teint, und die große Brille vermochte den Hass in seinen blauen Augen nicht zu mildern. „War bloß ein Witz, du kleine Dumpfbacke. Ich mach das selbst.“

Sie fröstelte und versuchte zu begreifen, was vor sich ging, doch ihr schwirrte der Kopf. Wenn der Mann abgelenkt war, könnte sie vielleicht weglaufen oder über ihn herfallen. Sie könnte …

Sie spürte den Luftzug, bevor die Waffe ihre Schläfe traf.

Schmerz explodierte in ihrem Schädel, und sie sackte zu Boden, nicht länger in Angst oder hin- und hergerissen zwischen verschiedenen Optionen.

Sie war sich nicht bewusst, dass der Albtraum gerade erst anfing.

Zweites Kapitel

Als Special Agent Autumn Trent die Augen aufschlug, musste sie lächeln. Das Summen des Schlafzimmerventilators war so friedlich wie eh und je, doch heute kam es ihr noch lieblicher vor als sonst.

Einen Moment lang blieb sie still liegen und lauschte auf Aiden Parrishs rauen Atem. Der Anblick seines in den Laken verhedderten muskulösen Körpers war tröstlich. Seine Anwesenheit vermittelte ihr ein ungewohntes Gefühl von Freude.

Sie wandte sich ihm zu und legte die Wange aufs weiche Leinenkissen. Über seiner entspannten Stirn stand sein braunes Haar nach allen Richtungen ab. Die geschlossenen Lider mit den vollen Wimpern verbargen seine stets wachen eisblauen Augen. Endlich einmal war der Supervisory Special Agent nicht mit einem Fall befasst oder erteilte der Abteilung für Verhaltensanalyse in der FBI-Niederlassung von Richmond Anweisungen.

In ihrem Bett wirkte er weicher. Jünger. Sogar verletzlich. Autumn war sich bewusst, dass sie Zugang zu einer Seite von Aiden bekommen hatte, die nur wenige kannten.

Nie im Traum hätte ich mir das vorstellen können … auch wenn ich es mir insgeheim schon lange gewünscht habe.

Bis gestern Abend hatte sie es sich nicht gestattet, ihren Gefühlen für Aiden Raum zu geben oder an eine Beziehung mit ihm auch nur zu denken. Er war ihr Vorgesetzter und mit seinem Job verheiratet. Die Situation war zu kompliziert, um unnötige Risiken einzugehen.

Bis gestern Abend, als die zwischen ihnen fliegenden Funken sich zu einem Inferno entfacht hatten.

Autumn streichelte seinen Bizeps, schwelgte in der Wärme seiner Haut. „Und jetzt lassen wir es einfach weiterbrennen, ja?“ Ihr Körper summte noch vom Hochgefühl der vergangenen zwölf Stunden, das von ihrer einzigartigen Gabe weiter gesteigert worden war.

Ihren sechsten Sinn, der es ihr erlaubte, durch eine einfache Berührung die Emotionen einer Person zu erfassen, hatte sie nicht immer wertgeschätzt. Seit ihr Vater ihr eine schwere Kopfverletzung zugefügt hatte und sie sich einer Gehirnoperation unterziehen musste, war ihr die seltsame ‚Gabe‘, die sich bei ihrer Genesung einstellte, häufig sogar verhasst gewesen.

Nach einer Nacht in Aidens Armen sah sie ihre spezielle Fähigkeit in neuem Licht. Die intime Erfahrung seines körperlichen und emotionalen Begehrens hatte eine Leere tief in ihrem Innern gefüllt. Ihr Herz und ihr Körper verlangten bereits nach mehr.

Die Gefühle gingen jedoch einher mit der Warnung, nicht zu viel von der Beziehung zu erwarten.

Hör auf, dir Sorgen zu machen. Du hast es verdient, den Moment zu genießen.

Leichter gesagt als getan.

Sie schloss die Augen und seufzte. Nach einer Kindheit voller Missbrauch, Vernachlässigung und Pflegeeltern war ihre Vorsicht verständlich.

Sie brauchte ein wenig Zeit, das war alles. Um zu begreifen, dass die neu entdeckte Wonne echt war und keine Sinnestäuschung.

„So.“ Aiden schlug die Augen auf, ein verschlafenes Grinsen breitete sich über sein hartes Gesicht. „Diese Ich-starre-dich-an-während-du-schläfst-Nummer – willst du die auf Dauer durchziehen oder nur heute Morgen, Agent Trent?“

Autumn brach in Gelächter aus, anstatt sich ertappt zu fühlen. „Ich hab wohl das eine oder andere von den Serienkillern übernommen.“

Aiden riss mit gespieltem Erschrecken die Augen auf und schüttelte den Kopf. „Schlechtes Thema für Kopfkissengespräche.“

Ausgerechnet jetzt machte der Zwergspitz Toad auf sich aufmerksam. Er erhob sich von Autumns Füßen und zwängte sich zwischen sie, als wäre es seine Pflicht, sie voneinander zu trennen.

„Keine Angst.“ Autumn tätschelte sein pelziges Hinterteil und überhäufte Aidens Gesicht mit feuchten Küssen. „Der Bursche würde nicht zulassen, dass dir etwas passiert.“

Aiden, der taffe Agent, vermochte Toads So-süß-wie-hässlich-Charme nichts entgegenzusetzen. Er kraulte das Hündchen am Hals und schnaubte. „Er meint es bestimmt gut, aber als Wachhund taugt er nicht.“

Autumn wünschte, ihre Kollegen könnten ihren furchtlosen Anführer jetzt sehen. Hinter der stoischen Gelassenheit, die der unergründliche SSA auf der Arbeit zeigte, war mehr verborgen, als sie ahnten.

Es bereitete ihr auch eine gewisse Genugtuung, dass sie die einzige Zeugin von Aiden Parrishs emotionaleren Momenten war. Nur ihr vertraute er so sehr, nur sie durfte seine Fassade überwinden. Das machte ihre Beziehung umso wertvoller.

Autumn hielt Ausschau nach Peach. Deren Gunst zu gewinnen, würde Aiden bei der scheuen Tigerkatze weit schwerer fallen. Doch sie war zuversichtlich, dass es ihm gelingen würde, denn Peach war durchaus umgänglich.

Jedenfalls meistens.

Aiden langte über Toad hinweg und streichelte Autumn die Wange. „Bitte sag mir, dass du dich nicht in das Kaninchenloch zu deinen Analysen und Bedenken zurückziehst.“

Sein Tonfall war beiläufig, doch seine angespannten Kiefermuskeln verrieten, wie ernst er es meinte. Auch seine Berührung übermittelte seine Sorge.

Damit setzte er Autumn in Erstaunen. Auch dieser große, taffe Mann neben ihr hatte Angst. Nicht wegen eines Mörders oder einer terroristischen Bedrohung, sondern um sie beide. Um sie. Er sorgte sich um das, was zwischen ihnen passierte.

Sie fuhr mit dem Finger über seine Stirn und erwiderte seinen Blick. „Kein Bedauern. Nicht das geringste. Aber eine FBI-Agentin und forensische Psychologin zu bitten, nicht zu analysieren, ist vielleicht ein bisschen viel verlangt.“

„Okay.“

Erleichterung strömte von seiner Hand auf ihre Wange über, so wohlig wie eine warme Dusche. Sie neigte sich vor und küsste ihn auf die Stirn. „Ich bin überglücklich, die Zeit der Missverständnisse und der Angst hinter mir zu lassen.“

Aiden grinste schelmisch. „Gut zu wissen. Ich dachte schon, du würdest den Zustand des emotionalen Chaos genießen.“ Er stützte sich auf den Ellbogen auf und beugte sich vor, um sie zu küssen. Seine heißen Lippen signalisierten, dass sie vielleicht beide von einer weiteren Runde nonverbaler Kommunikation profitieren würden.

Eine feuchte Hundezunge leckte über ihren Arm. Sie unterdrückte einen Seufzer. Bevor sie loslegen konnten, musste Toad seinen Thron verlassen.

Ihr Handy summte, und Autumn schnappte es sich vom Nachttisch. Als sie den Namen des Anrufers sah, stöhnte sie auf. „Doktor Philip Baldwin. Schon wieder.“

„Allmächtiger.“ Aiden ließ sich ins Kissen zurücksinken, das sein Knurren nicht zu dämpfen vermochte.

Autumn konnte es ihm nicht verdenken. Ihre Reaktion fiel ganz ähnlich aus, doch sie ahnte, weshalb Philip so früh anrief. „Da muss ich rangehen. Vielleicht gibt es Neuigkeiten zu seiner Nichte.“

„Klar.“ Aiden legte sich das Kissen aufs Gesicht.

Sie unterdrückte ein Lachen und fragte sich, wie die Wutanfälle des kleinen Aiden Parrish wohl ausgesehen haben mochten. Die erwachsene Version ließ es jedenfalls hemmungslos erkennen, wenn ihr etwas nicht gefiel. Seine Abneigung gegen Philip hatte er schon bei seiner ersten Begegnung mit ihm im Januar offen gezeigt, als sie im Virginia State Hospital ermittelt hatten, wo der Arzt der medizinische Direktor war.

Gegen den unwirschen, arroganten Philip hatten Aiden, Autumn und der Rest des Teams augenblicklich eine Aversion entwickelt. Der Arzt hatte Autumn ebenso verabscheut wie sie ihn.

Aber dadurch, dass sie beide gemeinsam dem Tode nahegekommen waren, hatten sie eine Bindung entwickelt, aus der wahre Freundschaft geworden war. Erst als Philip ihr seine romantischen Gefühle gestand und sie gegen ihren Willen küsste, verkomplizierte sich ihre Beziehung.

Aiden wusste nichts von diesem Kuss, und so sollte es auch bleiben. Hätte er Bescheid gewusst, hätte dies einen noch größeren Keil zwischen die beiden getrieben.

Sie tippte aufs Display und nahm den Anruf entgegen, bevor die Mailbox ansprang. „Guten Morgen, Philip.“

„Es tut mir leid, Sie so früh am Morgen zu stören.“ Philip klang aufgeregt. „Lorna ist nicht nach Hause gekommen. Als meine Schwester aufstand, war ihr Bett immer noch leer.“

Autumn setzte sich abrupt auf und erschreckte damit Toad. Gestern Abend hatte Philip angerufen, nachdem seine Schwester Abby Mercer ihm telefonisch berichtet hatte, Lorna sei nicht auf ihrem Zimmer und gehe nicht ans Handy. Zudem hatte sie ihren Inhalator zurückgelassen.

Gestern hatte Philip ihre Besorgnis für ein bisschen voreilig gehalten, denn Teenager machten eben hin und wieder Unsinn. Autumn hatte ihm beigepflichtet. Selbst gut erzogene Teens zeigten manchmal unberechenbares Verhalten. Sie hatte Philip gesagt, er solle sie anrufen, wenn die Situation sich als ernst herausstellen sollte.

Das war offenbar der Fall.

Sie streifte sich eine Locke hinters Ohr und schaltete in den offiziellen Modus. „Hat Abby alle Freunde von Lorna angerufen? Ist Abby überhaupt sicher, dass sie alle Freunde kennt?“

„Hat sie. Jetzt ist sie noch stärker beunruhigt als zuvor. Und Abbys Freund ist gestern Abend ebenfalls verschwunden. Ihre Autos stehen zuhause.“

Autumn wurde beklommen zumute. „Hält Abby es für möglich, dass sie gemeinsam durchgebrannt sind?“
Philip seufzte, und Autumn stellte sich sein sorgenvolles Gesicht vor. „Sie haben kein eigenes Geld und auch keinen Grund wegzulaufen. Beide waren gut in der Schule und kommen jetzt ins letzte Highschooljahr. Blitzsaubere Teens. Und …“
Autumn wartete darauf, dass er den Satz beendete, doch er schwieg. „Was noch?“

„Das ist ein Albtraum.“ Er stöhnte gedämpft. „Lorna und ihr Freund sind nicht die ersten Teenager, die in Dearborn verschwunden sind. Zwei von Lornas Klassenkameraden werden ebenfalls vermisst. Der eine seit einer Woche. Der andere seit drei Tagen.“

„Zwei?“ Autumn blickte Aiden an, der das Kissen vom Gesicht genommen hatte. „Dann gibt es also vier vermisste Halbwüchsige. Jetzt verstehe ich, weshalb Ihre Schwester sich Sorgen macht.“

Aiden hob die Brauen und formte lautlos das Wort ‚vier‘. Autumn nickte.

Philip atmete schwer, als wäre er gerannt. „Ich fahre jetzt zu Abby und sondiere die Lage. Ich habe ihr zugesagt, dass ich gleich aufbreche.“ Er zögerte kurz. „Würden Sie bitte drüber nachdenken, was wir gestern Abend besprochen haben? Agent Parrish einzuweihen, meine ich.“

Autumn erwiderte Aidens Blick. „Ich rede gleich mit ihm und rufe Sie zurück, während Sie nach Connecticut fahren.“

„Danke.“ Philip räusperte sich. „Ich habe ein sehr schlechtes Gefühl.“

Autumn sah das ähnlich, doch das behielt sie für sich, da sie ihn nicht noch weiter beunruhigen wollte. „Ich werde tun, was ich kann, um Lorna wieder nach Hause zu bringen. Bis gleich.“

Sie legte das Handy weg und ließ sich in die Kissen sinken. „Lorna ist gestern Abend nicht heimgekommen. Ihr Freund wird ebenfalls vermisst. Die Autos stehen noch zuhause. Auch zwei ihrer Klassenkameraden sind verschwunden, einer seit einer Woche, der andere seit drei Tagen.“

Aiden setzte sein SSA-Gesicht auf, die undurchdringliche Maske. „Das klingt wirklich besorgniserregend. Wird ein Teenager vermisst, kann das alle möglichen Gründe haben. Aber vier, das ist bedenklich.“

Autumn streichelte Toads weiches Fell. „Können wir Baldwin helfen?“ Sie hatte das seltsame Gefühl, hier überlagerten sich zwei Realitätsebenen. Inoffiziell war sie zusammen mit ihrem Boss im Job, während sie gleichzeitig mit ihrem – ja, was eigentlich? – unter einer Decke steckte.

Stell dir nur das Chaos vor, das ausbrechen würde, wenn das Team davon erführe.

Während sie über ihr Schicksal nachdachte, wurde ihr zunehmend mulmig. Ihre Kollegen in der Abteilung für Verhaltensanalyse würden sich das Maul zerreißen. Die Verhaltensvorschriften schützten sie vor dem Gerede nicht.

Und auch nicht vor der Kritik.

„Also“, unterbrach Aiden ihren Gedankengang, „auf Grundlage der spärlichen Informationen und ohne Einladung der örtlichen Polizei kann ich nicht das ganze Team losschicken. Aber für einen inoffiziellen Besuch könnte ich ein paar Tage lang einen Agent entbehren.“

Autumn legte den Kopf schief. „Bloß einen?“

Lächelnd zog er eine Schulter hoch. „Einen und mich, das macht zwei.“ Die Matratze sank ein, als sie näher rutschte, was Toad zu einem protestierenden Knurren veranlasste. „Wahrscheinlich bin ich der Letzte auf der Liste der Agents, die Philip Baldwin in Dearborn sehen möchte, aber ich kenne jemanden, der mit dem örtlichen Sheriff gut kann, falls es drauf ankommt. Also, wenn du mich dabeihaben willst …“

Sie drückte ihm freudig einen Kuss auf die Lippen. „Ausgezeichnete Idee.“

Sie wünschte, sie hätte Zeit gehabt, ihm zu zeigen, wie sehr ihr sein Plan gefiel, doch stattdessen schlug Autumn die Bettdecke zurück und sah sich nach ihrem Koffer um.

„Den Rest des Teams lasse ich nachkommen, sollten wir sie brauchen.“ Aiden setzte sich auf und schwang die Beine aus dem Bett. „Im Moment sind alle mit dem Papierkram zum Fall in D.C. voll und ganz beschäftigt.“

Autumn drohte Aiden von der anderen Seite des Zimmers aus mit dem Zeigefinger. „Wenn du uns da rausziehst, wirst du dich nicht beliebt machen.“

Papierkram war ohne Frage die unbeliebteste Beschäftigung eines jeden Agents. Eigentlich hätte Autumn wie alle anderen am Schreibtisch hocken sollen.

Und Lorna Mercer sollte zuhause frühstücken. Hör auf mit den absurden Selbstvorwürfen.

Aiden lachte spöttisch. „Ich bin schon zu lange Chef, um mich für den Sympathiepreis zu bewerben.“ Er näherte sich ihr und legte ihr die Arme um die Hüfte. „Bevor wir einen neuen Fall in Angriff nehmen, ist es wichtig, dass wir die aktuelle Arbeit nicht vernachlässigen.“

Autumn biss sich auf die Lippe, als Aiden sie auf den Hals küsste. „Arbeit liegen zu lassen, ist inakzeptabel. Berichte sind essenziell.“ Ein wohliger Schauer lief ihr über den Rücken, als er ihr ins Haar fasste.

„Genau.“

Vielleicht hatte sich ihr Leben zu schnell verändert. Womöglich war das alles bloß ein Strohfeuer.

Verlangen durchströmte ihren Körper. Während sie ihm nachgab, sagte sie sich, dass ein Ende mit Pauken und Trompeten einem sicheren Einlauf an der Ziellinie vorzuziehen war.

Würde ihre Beziehung in Rauch und Asche enden? Dann sei es so. Zumindest wären sie dann Feuer und Flamme gewesen.

Nicht jeder Gewinn ist ein Geschenk …

Special Agent Dr. Autumn Trent genießt es, an Aiden Parrishs Seite aufzuwachen, als der romantische Sonntagmorgen vom Anruf eines Freundes gestört wird. Dessen Nichte ist in einem Bilderbuchstädtchen in Connecticut verschwunden … zusammen mit zwei weiteren Jugendlichen. Der Fall ist so verwirrend wie beunruhigend. Die Jugendlichen sind alle gute Schüler aus bestem Haus und stehen vor dem Abschlussjahr der Highschool. Wer könnte ihnen etwas getan haben? Und warum? 

Vor allem aber: Wer ist der Nächste? Read More